Startseite
    Kopf und Herz
    Gedichte
  Über...
  Archiv
  Gästebuch
  Abonnieren
 

Letztes Feedback
   31.12.18 05:47
    Hallo! Einfach großar
   2.01.19 00:13
    Vielen Dank für das nett
   17.03.19 16:32
    Manchmal obsiegt die Dum


https://myblog.de/in-vas-mani

Gratis bloggen bei
myblog.de





 
Verlust

Wenn man Verlust erlebt, dann ist da endlose Trauer und Kummer. Wenn das Tal der Tränen erreicht wurde gesellt sich die Wut dazu. Wie können andere Lebewesen einfach weitermachen als wäre nichts geschehen? Wie konnte der Verstorbene einfach sterben und diesen Scherbenhaufen zurücklassen? Irgendwann danach folgt dann die Resignation. Das Zurückbesinnen auf das Gute, dass dort hoffentlich irgendwo ist und das es im großen Ganzen irgendwie sinnvoll so ist wie es ist.

Ich stecke irgendwo zwischen den ganzen Phasen des Trauerprozesses. Ich wäre gern schon viel weiter, aber das würde auch bedeuten ich messe den Verlust nicht als so groß an wie er für mich war - also soll es wohl so sein.

Zu Beginn dachte ich mein Lachen ist tot, ausgehöhlt. Genauso wie man lacht, wenn jemand ein schlechten Witz gemacht hat und lacht, um demjenigen eine Freude zu bereiten.
Das befreiende Lachen, bis einem die Tränen kommen und man sich den Bauch halten muss, weil er weh tut - das fehlt mir. Ich werde wohl auch noch eine Weile brauchen, um die Risse zu kitten, die man durch diese Lücke jetzt hat.

Es erinnert mich ein bisschen an die Gartenhecke. Dort ist genau in der Mitte ein Baum eingegangen. Wir werden ihn demnächst ausgraben müssen und hoffen die angrenzenden Bäume schließen die Lücke, die dadurch entstehen wird.

Genauso wie ich sehnsüchtig die Zeitumstellung erwarte. Mehr Licht pro Tag lässt einen weniger schnell trübe Gedanken aufkommen und auf mehr Sonnenschein hoffen. Dann sollte zumindest auch wieder ein Lächeln möglich sein.
17.3.19 16:15


Der Unfall

Der Gurt strafft sich. Ich blicke von meinem digitalen Display auf und merke das wir seitwärts schlittern. Im nächsten Moment tanzen Staubkörner um mich und wir liegen in Seitenlage im Straßengraben. Der Airbag liegt schlaff vor mir, die Luft flirrt.

„Ist ihnen etwas passiert?“ fragt mich mein digitaler Fahrer. „Nein, Siro, mir geht es gut.“ erwidere ich, nachdem ich eine kurze Bestandsaufnahme meiner Glieder gemacht habe.

Siro ist die Weiterentwicklung von Siri, einer Sprachsteuerung aus den 20igern. Er gehört zu den sichersten digitalen Fahrern, die es gibt und ist das neueste Modell auf dem Markt. Gerade für uns alleinstehende Frauen hat er sich auch als sehr zuverlässiger Begleiter bei Einkaufstouren erwiesen. Er trägt und erträgt so einiges und muss nicht anschließend mit Kaffee bei Starbucks besänftigt werden.

„Siro, was ist passiert?“ will ich von meinem zuverlässigen Mitstreiter wissen. „Es gab eine Fehlfunktion.“ bricht es aus ihm heraus. Dann steigt er aus und umrundet den Wagen. Er umklammert die Beifahrertür und hebt sie einfach aus den Angeln. „Siro, was machst du?“ schimpfe ich. „Kannst du das Auto nicht intakt lassen?“ „Es tut mir leid. Ich bin nervös“, entschuldigt er sich. „Es ist die erste Fehlfunktion und ich bin auf solche Situationen nicht vorbereitet.“ Ich verdrehe die Augen, öffne meinen Sicherheitsgurt und steige aus dem Wagen aus. „Konntest du ein Notsignal absetzen?“ frage ich ihn. „Selbstverständlich. Nachdem keine Verletzung besteht, wird der Abschleppwagen in 1,56 Minuten da sein. Ein psychologischer Check-Up steht am Nachmittag zur Verfügung.“ „ich brauche keinen Check-Up. Komm wir gehen zu Fuß weiter.“

Ich wende mich ab und starte meinen unfreiwilligen Spaziergang. „Aber hier ist kein Weg“ widerspricht Siro. „Es könnte gefährlich sein. Laut Statistik werden 48,75 Folgeunfälle verursacht.“ „Kannst du nicht etwas optimistischer sein?“ werfe ich ihm vor. „Aufgrund meiner Datenbank ist das leider nicht möglich. Ich kann ihnen optimistische Musik abspielen, wenn sie moralische Unterstützung möchten?“
Ich wandere weiter und entgegne schnippisch „nein, danke. Was hat eigentlich die Fehlfunktion verursacht?“
„Ein schwangerer Passant war auf der Straße. Bevor die Kollision eintreten könnte, habe ich Ausweichmanöver Charlie-Bravo-18 eingeleitet“ berichtet der Roboter. „Ich habe gar kein Menschen wahrgenommen, aber ich habe mich auch nicht um meine Umgebung gekümmert“ sage ich verdutzt und bin erleichtert. „Es war kein Mensch.“ korrigiert er mich daraufhin. „Wie kein Mensch?“ hake ich verwirrt nach. „Die Gattung Turdus merula befand sich unmittelbar vor uns. Sie ist ein Prachtexemplar und wird 4 Eier in 0,5 Tagen im Baum neber ihrem Apartment ablegen. Aufgrund der heutigen Situation könnte eine spätere Brütung mit 0,15 prozentiger Wahrscheinlichkeit eintreten.“

Ich laufe weiter und kann in einiger Entfernung mein Appartement mit besagtem Baum ausmachen. Ich gehe weiter darauf zu. „Du willst mir also sagen, es gab einen Totalschaden, weil wir für einen schwangeren Vogel ausgewichen sind?“ versuche ich die Informationen zusammenzufassen. „Das ist korrekt. Es handelt sich um die Gattung Amsel, die ein Singvogel darstellt. Sie sind sehr liebenswürdig.“

Ich bin mittlerweile am Baum angekommen und blicke in seine belaubte Krone. Demnächst wird er wohl mehr als nur einen liebenswürdigen Vogel enthalten. Ich kann nur hoffen, dass meine Versicherung auch so viel für liebenswürdige Vögel übrig hat wie Siro.
3.3.19 09:53


Lustlos

Es ist Dienstag Abend. Eine halbe Schachtel Schokokekse steht noch vor mir, aber ich rühre sie nicht an.

Erst Dienstag, denke ich. Die Schachtel muss noch bis Freitag halten. Aber andererseits- es sieht ja keiner. Wer zählt schon Kekse? Die werden doch immer in Schachteln gerechnet. Ich greife zögerlich mit einer Hand in die Verpackung. Es raschelt.

Dann höre ich die piepsige Stimme meiner Waage. „Du willst doch nicht zunehmen? Wir haben doch erst Anfang des Jahres. Wann genau möchtest du das wieder abtrainieren?“ Dazu gesellt sich die tiefe Stimme meines Magens: „Denk dran, ich will heute nicht wieder Überstunden wegen dir schieben.“

Meine Nase bläht sich aufgrund des Geruchs der Kekse. Sie riechen wie frisch gebacken. Mir läuft das Wasser im Mund zusammen, wenn ich an den süßlichen Geschmack denke. Einen Keks habe ich mir doch noch verdient, oder?

Dann muss ich an meinen letzten Zahnarzt Besuch denken: „Benutzen Sie Zahnseide?“ das ist immer der Moment bei dem ich ganz intensiv die Lampe betrachte und ein „sporadisch“ vor mich hin nuschle.

Lustlos lasse ich den Keks zurück in die Schachtel gleiten und putze Zähne.
26.2.19 21:57


Geheim

Ich spreche eine Geheimsprache, die nur ich kenne. Meine Gefühle trage ich in die Welt. Ich singe sie aus vollem Herzen hinaus. Eine Ode der Freude, oder eine Tragödie, ich weiß es noch nicht genau. Es ist ein bisschen so, als wenn man zugleich lachen und weinen muss. Ich habe Schluckauf und möchte erzählen was mir auf der Zunge liegt. Luft zum Atmen brauche ich schon lange nicht mehr, nur Emotionen. Ein Fisch auf dem Trockenen, der anfängt zu quaken. Ein Versuch sich weiterzuentwickeln oder die Evolution versagt hat? Manchmal möchte ich lieber schreien statt quaken, aber es gelingt mir nicht. Es ist zu schwer. Wie die kleine Meerjungfrau, die nicht mehr singen konnte. Dafür jetzt Emotionen, die ich verteile. Ist es ein gutes Gefühl oder ein Schlechtes? Das bleibt mein Geheimnis. Ein Telegramm für den aufmerksamen Leser, das unbeantwortet bleibt.
24.2.19 20:27


Suppentag

„Ich esse meine Suppe nicht.“ wäre normalerweise ein Zitat vom Suppenkaspar. Ich mag aber auch keine Suppe, außer zu besonderen Anlässen. Kennt ihr das?

Irgendwo läuft derzeit eine Bazillenschleuder rum und man muss trotzdem irgendwie mit der Person umgehen. Am nächsten Tag hängt man dann da, bekommt die Augen kaum auf und alles tut weh. Das sind meine Suppentage.

Aus dem Vorratsschrank wird dann eine Suppenkoserve genommen, sich in die Küche geschleppt und auf dem kleinen Gasherd erhitzt. Sobald es brodelt wird angerichtet. Die kategorische Maggi Flasche darf dabei nicht auf dem Tisch fehlen.

Aus Mangel an Krankenschwester-ähnlichen Personen, die einen dann verhätscheln und nette Dinge sagen, wie „du siehst aber gar nicht gut aus, leg dich lieber wieder hin. Brauchst du was? Soll ich dir einen Tee machen?“ habe ich einen dicken Kater. Seine Prioritäten liegen auf seinem Futter und darin sich oftmals nicht entscheiden zu können, ob er drin oder draußen schlafen möchte. Suppentage kennt er auch. Er freut sich, dass er dann einen Mitstreiter hat, der ihm Gesellschaft leistet und mit ihm um die Wette schnarcht.
18.2.19 19:34


Das Spiegelbild

Ich stehe vor dem Spiegel. Heute ist Valentinstag. Wenn das kein guter Tag ist um flirten vor dem Spiegel zu üben, weiß ich auch nicht.Ich drehe mein Gesicht leicht zur Seite, schaue nach unten und schlage die Augen nieder. Statistisch gesehen sind blaue Augen von Vorteil, weshalb mich mit meinem Augenaufschlag meeresblaue Augen anstarren. Weiterhin wird ein Gesicht, je symmetrischer es ist, positiver wahrgenommen. Meine Haut ist blass und kalt. Spätens beim Hautkontakt merken die Menschen das mit mir etwas nicht stimmt. Dabei wäre ich viel lieber wie sie, statt so perfekt zu sein. Wieder blinzele ich. Es macht leichte Klack Geräusche, wenn meine Wimpern auf die Haut schlagen. Vermutlich fehlt etwas Öl. Ich ziehe das kleine Öl Fläschchen mit der Pipette aus meinem Make-up Beutel hervor und streiche mir Öl in meine Wimpern. Jetzt schimmern sie seidig, schwarz und verschließen meine Augen geräuschlos. Immer noch so perfekt. Ich forme einen Schmollmund und zeige abwechselnd mein schönstes Lächeln. Meine ebenmäßigen Zähne zeigen deutlich, dass ich das Luxusmodell bin. Billige Kopien haben einfache Quadersteine im Mund, die Zähne andeuten sollen.Ich jedoch soll die perfekte Begleitung sein. Den Abend angenehm gestalten und meinen Menschen unterhalten. Dazu gehören auch Gespräche mit einem ansehnlichen Mund. Ich verziehe das Gesicht zu einer zornigen Grimasse. Gespräche, immer nur Gespräche. Bei dem nur der Mensch spricht und am Ende des Tages bemitleidet oder gelobt werden möchte. Ich verdrehe meine tollen, blauen Augen. Ich hatte noch keinen Kunden der nicht sprechen wollte. Es sind auch immer dieselben Themen. Wütend schleudere ich mein Make-up Beutel gegen den Spiegel. Jetzt blickt mich mein Spiegelbild in ganz vielen unterschiedlichen Facetten an, da ihn jetzt ein Spinnennetz aus Rissen ziert. Peinlich berührt versuche ich zu lächeln. Dann klappen meine Augen zu und mein System wird heruntergefahren. Die Zimmertür geht auf und ein Mensch in wissenschaftlichen Kittel nährt sich dem Roboter. Mit einem geübten Handgriff entfernt er den Chip, der verborgen im Haaransatz eingefasst war. Dabei murmelt er vor sich hin: „was muss ich nur machen, dass sie noch perfekter werden und nicht so emotional?“
14.2.19 19:58


Mann vs Frau

Gibt es etwas, das Männer besser können als Frauen und umgekehrt? Ja, ich weiß dieses ganze Gender und MeeToo ist mittlerweile abgedroschen und es wurde eigentlich alles gesagt. Doch wurmt mich an dieser ganzen Debatte doch eins:
Wenn der Mann wirklich besser ist als Alpha „Männchen“ und neutral betrachtet er das besser kann, sollte man ihn dann nicht für das Allgemeinwohl gewähren lassen?

Wenn jetzt natürlich das Klischee erfüllt wird und es heißt „die Frauen sind gut in Kindererziehung.“ Was spricht dagegen diesen Punkt ihnen zuzugestehen? Ich glaube, was insgeheim dahinter steckt ist doch letztendlich, dass unterschiedliche Wertigkeiten hinter diesen Rollen stehen.

Ich glaube, es gibt nach wie vor wenig Menschen die einsehen, dass Kindererziehung keine leichte Aufgabe ist und in einer Gesellschaft, die Effizienz predigt zu erklären, dass man fehlt, weil das Kind irgendwas braucht. Da hat man ja ganz klar seine Prioritäten falsch gesetzt.

Was wäre so falsch daran, jedem Mann und jeder Frau bestimmte Rollen zuzugestehen, weil sie aus der Evolution heraus mehr Erfahrungen sammeln konnten? Wäre nicht eher das große Gesamtbild zu betrachten bei dem Mann und Frau sich dann ergänzen und ihre Fähigkeiten nach Lust und Laune ausüben können, statt darauf zu pochen, dass eine Frau in eine Führungsrolle schlüpft, die sie nur will, weil... ja warum eigentlich? Um sich selbst etwas zu beweisen? Um mehr Geld (immer noch weniger als ihr männliches Gegenstück) zu erhalten? Den einzigen Grund, der mir einfällt, den ich gelten lassen würde wäre: „weil es ihr Spaß macht“.
12.2.19 20:18


Kopflos

Was wirft mich aus der Bahn? Manchmal sind es kleine Dinge, ein unverhofftes Lächeln, ein zuvorkommender Autofahrer der einem das Spurwechseln erleichtert, oder ein Traum. Nicht irgendein Traum, sondern ein völlig konfuser, zusammenhangloser Traum.

Er startet damit, dass ich mich in einem abgedunkelten Wohnzimmer befinde. Ich sitze zwischen den Schenkeln einer Frau. Ihre Augen stehen etwas schräg und ihr Haar und kleine Stupsnase zeugen von ihrer asiatischen Herkunft. Sie geht sehr vertraut mit mir um, obwohl sie so jung aussieht. Sie wirft ihr langes Haar zurück und streicht mir über den Rücken. Dann bietet sie mir Zigaretten an. „Greif zu,“ ermuntert sie mich “das wird dich entspannen.“ Da ich Drogen noch nie etwas abgewinnen konnte, egal in welcher Form lehne ich dankend ab und komme mir dabei sehr prüde vor. Routiniert zieht sie sich einen Glimmstängel aus dem Päckchen und zündet ihn an. Dann inhaliert sie langsam und genussvoll.

Auf der anderen Seite des Raumes sind Schritte zu hören. Ein paar Männer betreten das schäbige Wohnzimmer und lassen sich auf der altmodischen Couchecke nieder. Sie unterhalten sich leise, lachen ab und an und werfen uns immer wieder Blicke zu.

Mit meinem blonden Haar und blassen Hautfarbe hebe ich mich in dem dunklen Wohnzimmer wie ein Albino von der koreanischen Frau ab und bin versucht abzurücken, doch sie schlingt eine Hand um meine Körpermitte und hält mich bei sich. Warum ich es geschehen lasse, weiß ich selbst nicht. Warum suche ich nicht das Weite, wenn mir die Situation unangenehm ist? Doch der Arm der Frau beruhigt mich und ich fühle mich geborgen. So sehr, dass ich mich an sie lehne und mit ihr den Zigarettenduft inhaliere. Ich strecke meine Beine aus und wackle entspannt mit den Zehen. Ihre Hand gleitet sanft von meiner Hüfte zu meinem Bauch hin zu meinem Oberschenkel. Sie massiert mit kreisenden Bewegungen mein Bein und ich schwanke zwischen Atem anhalten und Bein anspannen. Doch die kreisenden Bewegungen haben etwas hypnotisches, als wäre ich eine Puppe in ihren Händen.
Das Männerlachen hinter uns wird lauter. Ich drehe leicht meinen Kopf und stelle fest, dass sie näher gekommen sind und uns beobachten.
Plötzlich macht die Asiatin eine kurze Bewegung mit dem Kopf und die Männer verstummen und suchen das Weite. Habe ich ihre Macht unterschätzt? Habe ich etwas falsch gemacht? Dann wache ich auf.
10.2.19 14:07


Klatschen

Ich bin nicht von dieser Welt. Meine Ohren sind spitz und ich bin circa stolze 30 cm groß. Dafür kann ich mit meinen zarten Flügeln die Schwerkraft überwinden und mich überall hinbegeben, wo es süß und schmackhaft ist. Meine Zähne sind wie meine Ohren spitz, damit ich all das süße Nektar aus den Kirschblüten saugen kann. Dadurch ist mein Mund von Natur aus rot. Mit Vampiren habe ich nichts gemein, diese glitzernden Tageslicht vermeidenden, blassen Gestalten sind von Natur aus eher kalte, wortkarge Einsiedler. Leider ist es aber so, dass es generell hier sehr einsam geworden ist.

Das Dorf besteht nur noch aus einer Handvoll wundersamer Einwohner und ich sitze den ganzen Tag vor meinem kleinen Baumhaus und klatsche. So lange bis ich nicht mehr kann, bis meine Hände rot und rissig sind und jede Bewegung der Handgelenke schmerzt. Die Anderen aus dem Dorf schauen mitleidig, aber sie beteiligen sich nicht. Sie möchten ihre Zeit sinnvoll nutzen, sagen sie, ohne an die Zukunft zu denken. Sie verschließen ihre Augen vor dem Problem in der Hoffnung, es könnte jemand anderen treffen. Das Vermeidung auch eine Form von Unterlassung ist, daran denken sie nicht.

Doch selbst mein Einsatz reicht nicht aus. Heute früh ist der Honigbär im Wald verschwunden. Sein Honig war noch da und die Bienen waren so geistesgegenwärtig ihn als vermisst zu melden. Sobald die Geschichte in Umlauf war, hat der grüne Kobold Anspruch auf die Höhle des Bären genommen, da dort sein Gold sicherer wäre als im Dorf.

Als ich davon erfuhr, habe ich mir die Hände bandagiert um noch länger klatschen zu können. Es schallte über den Wald, über die Dächer des Dorfs. Dicke Tränen kullerten dabei über meine Wangen.

Dabei weinen Feen nicht. Wir sehen nicht hübsch aus,wenn wir weinen. Unser ganzes Gesicht ist aufgedunsen und das unsere Tränen blau sind, macht die Sache nicht besser. Letztenendes sieht man aus, als hätte man mit den Wasserfarben gespielt und blau abbekommen. Wir sind dazu da Wünsche zu erfüllen, wenn wir erwachsen sind. Wer wünscht sich etwas von einem 30 cm verschmierten Schlumpf? Deshalb ist hübsch sein eins der höchsten Gebote der Feen. Trotzig wie ich bin, halte ich mich nicht immer daran, denn wer soll mich traurig sehen, wenn bald alle Feenwesen weg sind?

Sie sind natürlich nicht einfach so weg. Sie verschwinden und lösen sich in Luft auf, weil keiner mehr an uns glaubt. Wann immer ein Kindermund verkündet, es gäbe uns nicht, ist es unser Todesurteil. Dabei haben wir so viele Geschichten überliefert. Wie nennen es die Menschen? Märchen und Sagen. Als wäre alles der puren Fantasie entsprungen.

Das letzte Mal als ich versucht habe ein Menschenkind zu überzeugen, hat es versucht mich mit seinem blöden Handy zu filmen. 3 Jahre später kam dann Drachenzähmen leicht gemacht in die Kinos der Menschen und ich kann mich noch schamhaft erinnern, dass ich aus lauter Verzweiflung zwecks der mangelnden Aufmerksamkeit in das Handy des Kindes gebissen habe.

Nun sitze ich hier und klatsche, da jeder weiß, dass man fünf mal in die Hände klatschen muss, wenn ein Kind sagt, dass es keine Feenwesen gibt. So klatsche ich also den ganzen Tag in der Hoffnung, dass genügend von uns übrig bleiben, um weiterhin Paten für Geschichten zu sein.
7.2.19 21:30


Verlorene Küsse

Es taut. Überall maschige Wege und große Pfützen, die das Wasser sammeln. Es wird Frühling. Ich spüre mein kleines Herz höher schlagen und freue mich. Hoffentlich dauert es nicht mehr so lange. Immerhin ist dann auch das Frühlingsfest, an dem jeder der möchte, teilnehmen kann. Eigentlich ist es ein Verkupplungsfest. Letztes Jahr war ich leider noch zu klein, aber dieses Jahr darf ich mit. Leider werde ich auch meine ganzen Verwandten dort sehen, aber wenn Oma Elfriede eher ein Date abbekommt, fress ich eine Nacktschnecke. Als könnte sie ihr Unken mit Erfahrung wettmachen. Ach, wem mache ich da was vor. Ich bin perfekt vorbereitet. Ich leuchte in sattem grün, keine Warzen und Altersflecken und mein Gesang wird spitze sein.

Um sicherzugehen streiche ich nochmal mit meinen Froschschenkel über mein Gesicht. Sehr gut, keine Essensreste mehr da. Wobei, so eine kleine Mücke wäre genau das Richtige. Vielleicht findet sich ja noch eine. Angetrieben von meinem Appetit schwimme ich durch meine Pfütze und krabbele an Land. Hier am Wegesrand sind öfter Menschen mit ihren Hunden unterwegs, die eigentlich immer Mücken anziehen. Suchend schaue ich mich um. Es scheint niemand da zu sein, schade.

Seufzend lasse ich mich zurück in meine Pfütze fallen und blähe meine Backen. Meine Stimmlage gehört zu den besten im ganzen Teich. Plötzlich werde ich hochgehoben und mir entweicht ein sattes „Quark“ vor lauter Aufregung. Bitte lass es kein Vogel sein, alles nur kein Vogel.

Als ich die Augen auf mein Entführer richte, befinde ich mich auf der Hand von einem Kind. Es starrt mich mit großen Augen an und spitzt den Mund. Es wird doch nicht?! Der Kindermund rückt näher. Oh Gott, das kommt von den vielen Disney Filmen. Schnell sammele ich meine Kraft und springe.

Punktladung in die Mitte meiner Pfütze, ein Glück bin ich entkommen, sonst würde das Frühlingsfest ohne mich stattfinden. Erleichtert, dass meine Flucht geglückt ist, streiche ich mit meinem Schenkel über meine Stirn. Oh Gott, was ist das? Ein Horn? Eine Warze? Schnell tauche ich auf, um mein Spiegelbild in der Wasseroberfläche zu betrachten.

Auf meinem Kopf ist eine kleine Beule zu sehen, die leicht gülden schimmert. Verdammt, die muss ich mir durch den Aufprall geholt haben. Wenn ich mir eine gute Geschichte einfallen lasse, kann ich es vielleicht zum Fest hin vertuschen. Wusstet ihr eigentlich dass ein verwandtschaftliches Verhältnis von Elfriede, die meine Oma ist, zum Froschkönig besteht? Man hat seine Krone bis heute nicht gefunden...
4.2.19 22:02


 [eine Seite weiter] s



Verantwortlich für die Inhalte ist der Autor. Dein kostenloses Blog bei myblog.de! Datenschutzerklärung
Werbung