Startseite
    Kopf und Herz
    Gedichte
  Über...
  Archiv
  Gästebuch
  Abonnieren
 

Letztes Feedback
   31.12.18 05:47
    Hallo! Einfach großar
   2.01.19 00:13
    Vielen Dank für das nett


https://myblog.de/in-vas-mani

Gratis bloggen bei
myblog.de





 
Kalt

Es ist so kalt geworden. Da helfen nur noch die selbst gestrickten nicht sehr hübschen, aber warmen Socken, sowie Funktionsunterwäsche. Ich mag das Wetter nicht. T-Shirt Wetter bei ca. 20 grad nicht mehr nicht weniger ist optimal. Nicht zu warm und nicht zu kalt. Dazu die Medien, die in einer Tour über den Klimawandel, den nicht vorhandenen Umweltschutz schreiben.

Ich glaube, viele Probleme wären ganz einfach lösbar, wenn sich nicht jeder immer nur auf sein eigenes Vorteil im Leben fokussieren würde. Ich erlebe es immer öfter das Hilfsbereitschaft als Schwäche ausgelegt wird und frage mich wieso?

Generell ist das Leben optimierter geworden. Man arbeitet effizienter durch Nutzung neuester Technologie. In ein paar Jahren brauchen wir vielleicht schon gar nicht mehr arbeiten gehen, weil Roboter es viel effizienter verrichten. Warum dann dieser Rückschritt im Bereich der Sozialkompetenz?

Gerade durch die Überalterung unserer Gesellschaft müssten doch genügend Leute „der alten Garde“ da sein, um die wichtigen Werte zu vermitteln? Müssten nicht gerade die Deutschen, die ihre Vergangenheit im 2. Weltkrieg ziemlich verbockt haben es nicht besser wissen und mit Migranten besser umgehen? Müsste nicht jemand die Hand heben und sagen, Mauer inklusive Mauerfall hatten wir schon, liebe Freunde über dem großen Teich lasst es bleiben?

Genauso wie in jedem Einsteiger Seminar zum Thema Handel und Zölle erklärt wird, dass diese Angebot und Nachfrage stören und man immer besser fährt, wenn es keine gibt? Das sind alles keine neuen Weisheiten sondern seit diversen Jahren (ich müsste googeln, wann genau Adam Smith gelebt hat) bekannt.

Um auf das Klima zurückzukommen- vielleicht steht uns ja auch die nächste Eiszeit bevor? Das würde automatisch dazu führen, dass der Umweltschutz sowie die Sozialkompetenz wieder anziehen würde, weil Nestwärme immer besser ist als Kälte.
20.1.19 08:22


Lügen

Heute Abend war Pizza Tag. Als Belohnung für einen harten Arbeitstag. Ich habe mich richtig darauf gefreut: den knusprigen, dünnen Boden, den saftigen Belag, den zerlaufenen Käse. Nach drei Stücken war mir jedoch der Appetit vergangen, weil ich schon wieder daran denken musste, dass ich heute gelogen habe. Ich bin ein ehrlicher Mensch, aber lügen kann ich trotzdem - und leider auch glaubhaft. Genutzt wird das Repertoire eigentlich nur bei Fragen nach Geburtstagsgeschenken oder Altersangaben.

Heute hat mich jemand gefragt, ob ich wüsste, wie es um seinen Arbeitsvertrag steht, da derzeit Budgetkürzungen sind. Ich habe das verneint, obwohl ich weiß, dass uns besagter Mensch zur Jahresmitte verlassen muss. Zum Einen wollte ich das nicht vor seinen Kollegen sagen, zum Anderen habe ich nicht die Rolle des Vorgesetzten inne und bin nicht weisungsbefugt. Ich habe versprochen unseren gemeinsamen Chef zu fragen, was ich auch tun werde.

Trotzdem nagt es an mir und ich ärgere mich, dass die Kommunikation so schlecht ist, dass ich lügen musste. Genauso wie es die betroffene Person rechtzeitig erfahren sollte, damit sie planen kann. Aber was wäre die Alternative gewesen: es einfach hinauszuposaunen käme einer Bloßstellung gleich. 4-Augen-Gespräch obwohl man nicht der Chef ist, aber eben das Wissen hat? Genauso unglücklich.

Ich habe immer mehr den Eindruck, dass die zwischenmenschliche Kommunikation hapert oder die Gutgläubigkeit von Menschen immer mehr als Schwäche ausgelegt und ausgereizt wird.
16.1.19 19:47


Zerrissen

Vor einiger Zeit ist mein Vater gestorben. Es tut immer noch weh, als wäre es kein halbes Jahr her, sondern eher ein Monat.

Ich denke es wird noch eine Weile dauern bis es besser wird. Demnächst geht das Erbverfahren los und ich bin gelähmt. Es heißt ja immer dann zeigen Menschen ihr wahres Gesicht, aber ich will damit am liebsten gar nichts zu tun haben. Vielleicht weil Geld in unserer Familie nie als Druckmittel missbraucht wurde. Trotzdem zermürbt mich die Thematik, weil mein Elternhaus-je nachdem wie hoch die Schätzung des Gutachtens ist- verkauft wird. Ich bin damit groß geworden, dass dieses Haus eine wandelnde Baustelle war (und ist) und meine Eltern beide ihre Zeit und Energie reingesteckt haben.

Es steckt in jedem Raum, gefühlt in jedem Stein die Essenz von ihnen und der Begriff „nach Hause kommen“ ist für mich damit verwoben. Beginnend damit, dass meine Mama mir als kleines Kind damals den Hausschlüssel durch ein Lederband gezogen hat und ich den um den Hals tragen sollte, damit ich ihn auf den Weg in die Grundschule nicht verliere. Enden tut es damit, dass mein Vater hier sterben durfte und meine Mama es leider nicht konnte, weil ihr Tod zu schnell im Krankenhaus kam. Ich bilde mir aber ein, dass der Raum, den sie kurz vorher bewohnt hat, immer noch nach ihren Kräutersalben riecht.

Es fällt mir so unendlich schwer mich einfach von diesen ganzen Erinnerungen zu trennen. Vor allem weil ich Angst habe, dass ich mit dem Hausverkauf meine Erinnerungen einfach „verkaufe“, als würden sie mir nichts bedeuten und einfach „ohne Eltern“, ohne Erinnerungen weitermache.

Die andere Seite der Medaille wäre, sofern es nicht meinen finanziellen Rahmen sprengt, das Haus mit all seinen Erinnerungen zu kaufen. Ich habe so Angst, dort nicht schlafen zu können, weil ich meinen Eltern da so nah bin. Ich muss oft weinen, wenn ich dort bin, ohne genau den Grund zu kennen. Vielleicht gehört das ja auch zum Trauerprozess dazu? Ich habe dort eine Komfortzone, aber die Hülle davon ist so stabil wie eine Seifenblase. Würde ich mich trauen dort gravierende Veränderungen vorzunehmen? Ich weiß es nicht, vermutlich nicht so gerne. Es soll aber kein Mausoleum meiner Eltern sein, sondern mich und die mir wichtig sind, beherbergen.

Mir wurde gesagt, du trägst doch deine Eltern und deine Erinnerungen im Herzen mit dir mit und nicht in so einem Gebäude. Aber das stimmt nicht. Ich kann nicht einfach etwas „beiseite“ schieben, oder abtun, wofür meine Eltern beide ihr Leben lang gearbeitet und gelebt haben. Das wäre ein Gefühl als hätten sie ihr Leben umsonst gelebt.

Und so bin ich zerrissen mit meinen Gefühlen, die um meine Eltern kreisen und weiß nicht was ich tun soll.
14.1.19 21:39


Das Dessert

Neben mir ist eine eine hübsche, junge Frau eingezogen. Heute morgen ist sie mir im Treppenhaus begegnet und hat mich freundlich gegrüßt. Als ich heute Abend von der Arbeit kam, standen zwei frischgebackene Muffins auf einem Teller vor meiner Tür mit einem Kärtchen „Einweihungs-Kuchen“. Sehr aufmerksam von ihr.

Ich schließe meine Tür auf und nehme das Geschenk mit hinein. Es wird mein Dessert für heute Abend.
Nach meiner Mahlzeit nehme ich mir den Muffin-Teller und setze mich auf mein Sofa. Gegenüber ist mein Wohnzimmerfenster mit dem schönen Blick auf unseren Innenhof, der voller Schnee in der Dunkelheit funkelt. Ich beginne den ersten Muffin zu probieren. Schokoladig mit einem Hauch Chilli. Die Schokoladenstücke zergehen in meinem Mund. Plötzlich geht gegenüber das Licht an. Scheinbar ist besagte neue Nachbarin auch nach Hause gekommen.

Ich sehe, dass sie ihren Mantel auszieht und über ein Stuhl wirft. Sie nimmt eine Fernbedienung und deutet damit auf irgendetwas außerhalb meines Blickfeldes. Wahrscheinlich möchte sie die Nachrichten schauen oder so. Ich nehme den nächsten Bissen vom Muffin. Er ist wirklich lecker. Jetzt läuft sie mit wiegenden Schritten aus dem Raum und scheint dabei zu sprechen. Ich frage mich nur mit wem, weil sonst niemand da zu sein scheint. Plötzlich dämmert es mir, dass sie vielleicht Musik hört und sich dazu singend bewegt. Ich muss schmunzeln und widme mich wieder dem Muffin.

Dann taucht sie wieder in meinem Blickfeld auf und hat ein Handtuch im Arm. Sie tänzelt drei Schritte vor, zieht das Handtuch zwischen ihren Hände durch, um dann wieder drei Schritte zurück zu machen. Ihre Bewegungen sind harmonisch und gehen elegant ineinander über. Dann verschwindet sie wieder und ich richte meinen Blick auf den Muffin-Teller.
Es ist nur noch ein Muffin da, was mich aber trotzdem nicht daran hindert herzhaft hinein zu beißen. Dieser ist mit Heidelbeeren und Vanille und schmeckt mir fast noch besser, weil er so saftig-fruchtig ist.

Dann erscheint meine Nachbarin wieder. Ich frage mich langsam, warum sie mich eigentlich nicht bemerkt, oder wieso sie den Jalousien nicht runter zieht, um solche Blicke zu vermeiden? Jetzt steht sie mit dem Rücken zu mir.

Plötzlich macht sie eine Bewegung und fängt an sich den Pullover auszuziehen. Erschreckt springe ich mit dem halben Muffin in der Hand auf. Das kann sie doch nicht tun. Wie soll ich ihr jemals für den Kuchen danken, wenn ich weiß welche Unterwäsche sie trägt? Schwarzer Spitzen-BH. Das darf doch nicht war sein. Auf einmal nehme ich seitlich von mir eine weitere Bewegung wahr. Der alte Herr aus 7b hat auch meine hübsche Nachbarin entdeckt. Was soll ich nur tun?

Der alte Lustmolch hat sie nicht verdient und ist außerdem seit 20 Jahren mehr oder weniger glücklich verheiratet. Ich stopfe mir den restlichen Muffin in den Mund , lösche mein Licht im Zimmer und öffne schnell mein Fenster. Als nächstes sammele ich von meiner Fensterbank Schnee ein und forme daraus ein Schneeball. Dann ziele ich auf das Fenster meiner Nachbarin.
Ich werfe und hechte mich anschließend hinter mein Sofa.

Nach fünf Minuten traue ich mich zaghaft wieder aus meinem Fenster zu schauen. Meine Nachbarin steht mit umwickelndem Handtuch ihrem Fenster und bestaunt, wie die Überreste meines Schneeballs an der Fensterscheibe hinunterlaufen. Verwirrt schaut sie raus und lässt anschließend ihre Jalousien herunter.

Das war knapp. Leider stellt es mich trotzdem vor das Dilemma, wie ich ihr morgen ohne rot zu werden danken soll, wenn ich nur an ihren schwarzen Spitzen-BH denken kann.
10.1.19 21:41


Abschied

An meinen Wangen laufen langsam Tränen herab. Ich kann sie nicht aufhalten und möchte es auch gar nicht mehr. Ich kralle mich an seinen Mantelaufschlägen fest. „Du darfst nicht gehen. Lass mich nicht allein“, weine ich. Mein Gesicht ist fleckig, rot. Nicht hübsch oder zum Bleiben einladend, doch das ist mir egal. Langsam hebt er die Hände und streichelt sanft über meine verkrampften Fäuste an seinem Mantel. Seine Stimme ist tief, ein schmeichelnder Bariton: „Aber ich bin doch bald zurück. Du wirst schon sehen. Dann haben wir das ganze Wochenende für uns.“ Abwartend sieht er mich an und fügt hinzu „und wenn du möchtest gehe ich auch gern mit dir zu der neuen Kaffeebar, die du unbedingt ausprobieren wolltest.“ Traurig sehe ich ihn an und nuschle an seiner Brust. „Ich möchte nicht das du gehst. Wer sagt mir, ob du auch wirklich wieder kommst und mit mir den Kaffee probierst?“ Er weiß genau, dass ich bei Kaffee schwach werde und er mich am Haken hat. Er löst langsam meine Hände von seinem Mantel und schmunzelt. „Weil ich keine Frau wüsste mit der ich lieber Kaffee trinken würde als mit dir.“ Aufrichtig schaut er mich an. Ich senke meinen Kopf um nochmal seinen Aftershave Geruch zu inhalieren bevor er endgültig geht. Er umarmt mich zum Abschied. Dann greift er neben sich und zieht seinen Motorradhelm auf. Er packt seine Handschuhe und geht forschen Schrittes zur Tür. „Je eher ich dort bin, umso eher kann ich auch wieder zu dir.“ Er winkt mir zu und verlässt die Wohnung.

Ich renne ihm hinterher, möchte ihn nochmal umarmen, sein Geruch riechen, seinen Mund schmecken, aber ich greife nur Luft. Er ist nicht da.

Schweißgebadet wache ich auf und taste auf die andere Bettseite. Sie ist leer. Fahrig streiche ich mir Haarsträhnen aus dem Gesicht und versuche die Fassung wiederzugewinnen. Der Traum war so intensiv, aber ich kannte den Mann gar nicht. Auf einmal fasse ich einen Gegenstand auf der anderen Bettseite. Ich ziehe ihn hervor und halte einen Motorradhandschuh in der Hand.
9.1.19 20:02


Exkurs

Regen prasselt gegen meine Fensterscheibe. Wenigstens kein Schnee. Ich gehöre zu den Leuten, die kein Schnee mögen. Er ist kalt, er ist nass und nutzen tut er eigentlich nur den Pflanzen zur Isolierung. Und so romantisch eingeschneit zu sein, dafür steht mir die Klimaerwärmung im Weg.
Man merkt langsam, dass die Tage schon wieder länger werden. Ich freue mich bald wieder im Tageslicht arbeiten zu gehen, statt ständig im Dunkeln unterwegs zu sein.
Heute wird nichts mehr großartig stattfinden. Die Pizza ist im Ofen und ich warte bis der Käse zerlaufen ist. man gönnt sich ja sonst nichts. Gute Vorsätze? Wer braucht die? Im Zweifel eher zunehmen und als Vorbild Buddha nehmen. Oder hat jemand schon mal Buddha nicht lächeln sehen?
Es regnet immer noch. Zeit den Kater reinzulassen. Er hatte es nach seinem nächtlichen Exkurs verdient. Vielleicht schlafen wir so beide besser? Jetzt aber erstmal Pizza essen - wir mögen nämlich beide Käse.
8.1.19 19:06


Jäger und Opfer

Meine Augen sind halb offen. Ohne zu blinzeln beobachte ich träge meine Umgebung. Ich liege auf der Lauer und warte ab. Ich habe alle Zeit der Welt und bin fest davon überzeugt, dass sich bald etwas tun wird. Ich rieche es in der Luft und spitze die Ohren. Kommt da jemand? Nein, doch nicht, nur der Wind der etwas Laub aufgewirbelt hat.
Die Straßenlaterne schräg vor mir verbreitet ein düsteres Licht, gerade so wie ich es mag: nicht zu hell und nicht zu dunkel, als das es zu sehr meine Augen anstrengt. Alles wirft lange Schatten in denen man sich verstecken kann. In solchen Nächten entscheidet sich wer Jäger und wer Opfer ist.

Wieder spitze ich die Ohren. Habe ich Schritte gehört? Langsam kommen kleine, trippelnde Schritte näher. Ich spanne meinen Körper an. Noch kann ich niemanden sehen und mit dem Überraschungsmoment auf meiner Seite ist es immer interessanter. Nun sehe ich sie. Ein Prachtstück. Lautlos setze ich mich in Bewegung. Sie ist jetzt genau unter der Straßenlaterne, wo sie gut sichtbar ist. Als ich mich von hinten auf sie stürze, quietscht sie auf und versucht zu fliehen. Das tun sie alle - jedesmal und immer verzweifelter. Doch ich habe eine Mission und darf es heute Abend nicht vermasseln.

Ich halte sie zwischen meinen Pranken und fahre meine Krallen aus. Die Maus rührt sich nicht mehr. Verdammt,ich habe sie doch nicht schon umgebracht? Vorsichtig löse ich meine Tatzen und überlege, wie ich sie gleichmäßig zwischen meinen Menschen aufteilen kann.

Ich musste leider feststellen, dass Menschen nicht jagen können. Sie sind viel zu laut, mit völlig inkompetenten Körpern und können teilweise nicht mal Blut sehen.

Die Maus liegt regungslos zwischen meinen Pfoten. Ich stupse sie an - keine Reaktion. Mit meinen Barthaaren taste ich sie ab, sie ist auf jeden Fall noch warm. Plötzlich springt sie auf, beißt mir in meine empfindliche Nase und rennt unter meinem Körper zwischen meinen Beinen davon. Fauchend drehe ich mich herum und schlage mit meinen Krallen nach ihr, aber ich erwischte nur einen Flaum Fell. Verdammt, so habe ich mir die Nacht nicht vorgestellt. Muss ich doch meinen Menschen Bescheid sagen, dass er mich nochmal füttern soll nach diesem Mäuseschreck.

Ich bewege mich auf das Schlafzimmerfenster im Erdgeschoss zu und setze mich auf die Fensterbank. Ich höre ihn schnarchen. Wieso sollte er eine geruhsame Nacht haben, wenn ich auch keine hatte? Ich miaue. Ich tue das nur für ihn- damit er nicht allein schlafen muss. Außerdem klingt das Schnarchen nach einer anstehenden Erkältung - das braucht kein Mensch. Ich miaue wieder. Diesmal herzzerreißend langsam, damit ich auch alle Töne der Tonleiter treffe. Das Fenster öffnet sich. Fragend schaue ich meinen Menschen an. „Wie fandest du mich?“ Mein Mensch hat dafür nicht so viel übrig. Mit scheuchenden Bewegungen signalisiert er mir, dass ich mich beeilen soll. Das mache ich auch, sobald ich mich geputzt habe. Wer weiß was mit meiner Nase passiert, wenn ich es nicht tue.

Während ich meine Katzenwäsche starte, höre ich ihn seufzen. Er kann das ähnlich wie ich, auch in allen Tonlagen. Nur das ich es natürlich perfektioniert habe. Er ist halt doch nur ein Mensch. Dann packen mich zwei Arme und setzen mich aufs Bett. Mein Mensch macht das Fenster wieder zu und legt sich wieder hin. Liebevoll knete ich seine Decke und tue es ihm dann gleich. Morgen ist ja auch noch ein Tag um die Pfoten zu putzen....
7.1.19 21:53


Flirten

Es gibt zwei Arten zu flirten. Nummer eins kann es einfach und aus Unbeholfenheit wird langsam liebevolle Interaktion. Und es gibt Menschen wie mich die Kommunikationslegastinker sind. Zwischen beiden Parteien gibt es eine große Grauzone. Zum Beispiel Personen, die sich mit Sprüchen behelfen:
Mann mit Grill sucht Frau mit Kohle.
Individuelle Komplimente wie schöne Augen, tolle Frisur gehen immer, sind aber irgendwann „abgenutzt“.
Leider gibt es dabei auch sogenannte Fehlinterpretationen. Ein Kompliment „Du füllst die Bluse toll aus“ hat eher Nachteile für den Komplimente-Geber und ist genauso charmant wie „Schatz, du könntest dich mal wieder rasieren.“
Je älter man wird umso mehr freut man sich auch um informatives flirten: Wenn man am Kiosk nochmal nach dem Personalausweis gefragt wird, obwohl man sich an die 18 gar nicht mehr erinnern kann.
Im Endeffekt sind und bleiben aber immer die schönsten Komplimente diejenigen, die von Herz kommen.
4.1.19 21:32


Eine Verkettung von mehreren unwegsamen Umständen

Ich war heute mit einer ganz lieben Freundin Kaffee trinken. Bewaffnet mit Pappbechern sind wir tapfer raus in die Kälte, um dort das zu tun, was wir am besten können: Quatschen - über Gott und die Welt von A wie Anatomie von Männern bis Z wie Zucker im neuen Jahr vermeiden. Wir saßen dazu auf einem gepolsterten Sofa, was mir bequemer erschien als die kalten Metallstühle.
Es gibt nicht viele Menschen mit denen ich das Gefühl habe ungezwungen reden zu können und auch, wenn wir uns nur sporadisch sehen, kommt es mir immer vor, als wäre nur ein Wimpernschlag vergangen. Dafür haben wir dann umso mehr zu erzählen. Schließlich musste besagte Freundin kurz telefonieren und ließ mich allein auf dem Sofa zurück. Plötzlich höre ich eine Männerstimme meinen Namen rufen. Ich richte mich auf, weil ich diese Stimme unter allen Stimmen erkannt hätte und werde starr. Seitlich zum Sofa kommt Markus gelaufen „oh, du bist es ja wirklich, ich freue mich so dich mal wieder zu sehen.“ ruft er aus. Ich stehe vom Sofa auf, um ihn zu umarmen und hoffe, dass meine Gesichtsfarbe bleibt wie sie ist.

Markus ist der Name meiner schlaflosen Nächte, kalten Duschen, diverser Wut- und Tränenausbrüchen. Kurz: meine erste große Liebe. So ein Gefühlschaos vergisst man nicht. Markus vergisst man nicht. Mein Körper hat Markus wohl auch nicht vergessen, denn mein Gesicht glüht und mein Hirn hat das Arbeiten eingestellt, weil nicht mehr genügend Sauerstoff da ist für diese unbedeutende Funktion. Nur Markus, der gottgleiche, liebens- und anbetungswürdige Mann, der weiß nicht was er in mir auslöst. Man könnte jetzt fragen, warum nicht? Und ich würde nuscheln „aufgrund der Verkettung von mehreren unwegsamen Umständen“:
1) das Biest
In jeder Klasse gibt es das Biest. Es ist weiblich, hat entweder aus Geld, Image, Klamotten oder sonstigen im Teenie-Zeitalter befindlichen Machtgründen ein Monopol inne und macht damit anderen das Leben schwer. Ich stand eigentlich nicht auf der Liste vom Biest, weil ich einfach zu unscheinbar war und damit weder als Bedrohung noch als potentielles Mobbing Opfer dienen konnte. Trotzdem wurde ich Opfer des Biestes.
Nachdem meine Flirtversuche bei Markus zu unscheinbar waren - ein gemurmeltes Hi am Morgen- hoffte ich auf meine große Chance beim Tag der Liebenden. Es gab an der Schule einen großen Briefkasten, in dem alle Briefe eine Woche vorher gesammelt und schließlich am Valentinstag verteilt wurden. Nach unendlich vielen kümmerlichen Versuchen meine Gefühle in Worte zu fassen, blieb ich doch beim Klassiker: Roses are red, Violets are blue....
Markus hat den Brief bekommen und gefragt von wem er sei. Das Biest hat ihn für sich beansprucht bevor überhaupt ein Piep über meine Lippen kam. Und mit beansprucht meine ich sowohl den Brief als auch Markus.
2) Schnür-Boots
Das Biest und Markus hielt nicht lang. Auf Klassenfahrt wollte ich einen neuen Versuch starten. Ich machte mir Notizen, ich übte vor dem Spiel mögliche Gesprächszenarien, versuchte in seinen Hobbys zu glänzen, was mit Volleyball als völlige Sportniete eine Herausforderung war. Ich zog mir meine hübscheste Jeans, Bluse und hochhackige Schnür-Boots an. Damit stöckelte ich zu seinem Zimmer in der Herberge. Er war nicht da. Sein Kumpel meinte, er wäre draußen.
Also marschierte ich nach draußen. Was ich bei der Aktion nicht bedacht hatte war, dass die Klassenfahrt im Winter stattfand und Schnür-Boots mit Absatz hierfür nicht die beste Wahl sind. Die Herberge war am Hang erbaut worden und so schlitterte ich vom Hof bis in die abschüssige Hecke am Ende des Grundstücks ohne meine Rede jemals vorgetragen zu haben. Beim Abendessen wurde ich nur gefragt, warum ich Kratzer im Gesicht hätte (Rosenhecke).
3) Abschlussfeier
Am Ende der 10 Klasse wechselten einige Schüler die Schule. Darunter auch Markus. Gott, was war ich unglücklich. Ich schwankte zwischen-ich muss auch die Schule wechseln- und -ich breche ab und kann so mehr Zeit mit ihm verbringen. Leider waren beide Szenarien für meine Eltern völlig inakzeptabel. Meine letzte Hoffnung war die Abschlussfeier. Ich glaube, das war statistisch gesehen, die längste Zeit, die ich an einem Tag in unterschiedlichen Kleidungsstücken vor dem Spiegel verbracht habe. Ihr wollt wissen wohin der Abend geführt hat - zu gar nichts, weil er nicht gekommen ist. Nicht in sexueller Sicht, sondern in körperlicher Reinform. Er war nicht da. Ich habe mich noch nie so versetzt gefühlt. Da hat es auch nicht geholfen, dass er nach zwei Wochen seine alte Schule nochmal besucht hat. Ich war so enttäuscht, dass ich ihn ignoriert habe.

Jetzt steht er also in all seiner Pracht vor mir. Ich mustere ihn und stelle fest, dass er Geheimratsecken bekommen hat. Und Lachgrübchen um seine wunderschönen blauen Augen. „Wie geht es dir?“ fragt er mich. „Es geht mir gut und dir?“ „ich bin gerade zurück von einem Projekt in Kenia“ erzählt er stolz. Als ich nachhake erzählt er, dass er Arzt ist und bei Ärzte ohne Grenzen unterstützt. „Oh, das ist so selbstlos“ antwortete ich bewundernd.
Ich merke immer noch ein Kribbeln im Bauch. Nur das mich ein komisches Gefühl umschleicht. Meine Kehrseite fühlt sich so klamm an. Unauffällig ziehe ich mein Mantel hinten glatt und streife dabei meine Jeans. Im ersten Moment denke ich, dass mein Körper jetzt ein Markus Trauma hat und einfach alle Funktionen eingestellt hat. Im zweiten Moment dämmert es mir, dass besagtes Sofa wohl doch nicht so trocken war wie vermutet.
Markus fragt mich auf einmal, ob wir nicht ein Stück laufen wollen. Ich nicke mechanisch wie ein Wackel-Dackel und versuche möglichst seitlich von ihm zu laufen, weil ich Angst habe, dass er sonst meine nasse Hose sieht. Dabei versuche ich ihn unentwegt anzusehen, so dass mein Krabben-Gang hoffentlich unbemerkt bleibt.
Markus erzählt in der Zeit weiter von Kenia, dem Mangel an Impfstoff und der Dürre. Auf einmal bleibt er abrupt stehen, sieht mich intensiv an und sagt „so einen guten Zuhörer hatte ich schon lang nicht mehr. Ich muss jetzt leider weiter, weil ich einen Friseurtermin habe, aber würdest du mit mir demnächst einen Kaffee trinken gehen?“ „das können wir gern machen“ sage ich lächelnd und sehe ihm nach. Er lächelt und dreht sich nach ein paar Metern nochmal zu mir um. „Ich freue mich schon jetzt“ ruft er mir noch zu. Dann ist er in der Menge verschwunden.

Erst dann traue ich mich hektisch nach meiner Freundin umzugucken. Sie steht vor dem Sofa und wartet dort auf mich. Hektisch laufe ich auf sie zu - „nicht hinsetzen, dass ist nass“. Sie winkt ab und meint, „ja, habe ich auch gemerkt, aber jetzt lenk nicht ab. Mit wem hast du da gesprochen?“ „Markus“ flüstere ich. „DER Markus?“ fragt sie interessiert. Erst jetzt komme ich dazu das Gespräch mit nasser Hose mit meiner ersten Liebe zu verstehen. „Er will mit mir Kaffee trinken gehen“ erzähle ich aufgeregt. „Das ist ja super“ freut sich meine Freundin für mich. „Habt ihr Nummern ausgetauscht?“ Sprachlos schaue ich sie an und werde blass.
3.1.19 22:54


Check-out

Ich liege in der Badewanne. Der Badeschaum rinnt langsam an meinem angewinkeltem Bein herab. Das Wasser muss ganz heiß sein, so dass man keine andere Wahl hat als zu schwitzen und ein Bein aus dem Wasser zu strecken. So bewältige ich das Ende des Arbeitstages und lasse die Anspannung aus meinem Körper fließen.
Kaputte Strumphose: 1
Anzahl Schokolade: 3 Eclairs
Es war heute ein Kurzflug von Frankfurt nach Paris. Von der Stadt der Bänker in die Stadt der Affären. Gerade im neuen Jahr sind die Leute unentspannt. Sie müssen sich wieder von ihrer Familie trennen, die Arbeitswelt holt sie wieder ein oder sie versuchen sich am Flughafen noch verzweifelt an ihren guten Vorsatz das Rauchen aufzugeben zu erinnern.

Man könnte meinen all die Probleme könnte man unten lassen und hier oben, über der Wolkendecke entspannen, aber sagen sie das mal Passagier 23a. Erst Tomatensaft - schmeckt komisch (vermutlich nach Tomate?), dann Cola, dann doch lieber ein Glas Sekt - weil die Hälfte des Flugs hat man ja schon erfolgreich geschafft. Das Schlimme ist, dass solche Menschen nie allein sind. Es gibt entweder immer noch einen zweiten Erwachsenen, der ein Problem hat, oder aber ein Kind, dass Aufmerksamkeit braucht. Die Personen, die wirklich Hilfe oder Beschäftigung benötigt, sitzen meist blass in ihren Sitzen mit schwitzigen Händen. Man glaubt gar nicht wieviele Menschen unter Flugangst leiden. Ich versuche sie immer zu beruhigen, aber meist ist Valium ihr bester Freund.

Wir hatten heute ein sehr sportlichen Kapitän, so dass wir sehr pünktlich und federnd gelandet sind. Das Manöver hat das Kind auf Platz 8f so gut gefunden, dass es mit seinem Miniaturmodellflugzeug die Landung etwas theatralisch nachgespielt hat. Leider im selben Moment als ich vorbei gelaufen bin und jetzt an meinem linken Bein Laufmaschen aufblitzen, wenn man darauf achtet. Da jetzt aber sowieso das Hotel auf mich wartet, lohnt ein Wechsel nicht mehr.

Eilig verabschiede ich mich von meinen Kollegen und schiebe mein Trolley zum Ausgang. Plötzlich werde ich am Arm festgehalten. Ein Polizist steht hinter mir. „Wohin möchten Sie denn so eilig?“ „Zum Hotel, warum?“ erwiedere ich leicht verwirrt. Wird der Flug nochmal durchsucht? Seitdem in Frankreich terroristische Aktivitäten stattgefunden haben, wurden die Maßnahmen verschärft. Ich überlege fieberhaft, ob ich etwas dergleichen angekündigt wurde bis der Mann meinen Gedankengang unterbricht. „Nein, nein, schon gut. Ich dachte ich hätte sie mit jemandem verwechselt.“ Erleichtert nicke ich ihm zu und verlasse das Flugzeug. Leider hält mich dann der Co-Pilot auf. Er läuft neben mir über die Gangway und wackelt viel versprechend mit den Augenbrauen. „Wir gehen jetzt gleich was Essen, möchtest du dich uns anschließen?“ ich lehne dankend ab. Ich möchte nicht Häschen Nummer 8 werden, um die Nacht auswärts erträglich zu gestalten. Fluchtartig lasse ich ihn stehen und laufe in die Flughafenhalle.

Mein Hotel liegt nur ein paar Minuten von Flughafen entfernt. Es ist ein kleines Hotel mit einem angrenzenden Restaurant, dass die besten kleinen Sünden in greifbarer Nähe hat. Ich rede von Eclaires, Apfeltarte und Macarons. Es ist ein Wunder, dass ich noch in meine Uniform passe, aber die Franzosen wissen einfach, wie sie mich glücklich machen. Ich nehme mir im Restaurant mein Essen inklusive der Desserts mit und checke in meinem Hotel ein.

Es ist ein kleines, uriges Hotel noch familiengeführt und das Wichtigste: das Bad hat eine Badewanne.

Während ich so in der Badewanne liege und der Schaum um mich herum leise zerplatzt, denke ich darüber nach welche Haarfarbe jetzt mal wieder dran wäre? Im Moment bin ich braunhaarig. Vielleicht ebenholzschwarz? Blond und rot sind zu auffällig von daher bleiben mir nicht viele Alternativen.

Plötzlich klopft es an der Tür „Zimmerservice“ meldet sich eine dunkle Stimme. Ich lasse mich still tiefer in meine Wanne sinken und horche auf weitere Geräusche. Ich will nicht gestört werden und habe nichts bestellt. Wer immer es ist, wird wohl wieder gehen. Doch dem ist nicht so. Ich höre wie die Chipkarte durch das Schloss gezogen wird und die Tür geöffnet wird. Langsam wird die Tür zum Badezimmer mit dem Lauf einer Pistole aufgeschoben. „Du?!“ frage ich erstaunt. „dich schicken Sie?“ Vor mir steht der Co-Pilot. Er lächelt verschmitzt an. „Wen hast du denn erwartet?“ Ich lächle ihn süß an und erwidere, „einen Profi vielleicht?“. Er quittiert es mit einem Schnauben und wendet sich ab, „komm da raus und zieh dir was an. Dann sagst du mir, was du weißt.“ Damit wendet er sich ab und verlässt das Bad.

Mein Abend ist ruiniert. Schnell steige ich aus der Badewanne, mache dabei mehr Lärm als notwendig und sortiere meine Klamotten. Rasch ziehe ich mich an und behalte dabei die Badezimmertür im Auge. Dann versuche ich das gegenüberliegende Fenster zu öffnen. Es ist aber ein altes Fenster, dass man hochschieben muss und es klemmt. Ich versuche es mit etwas mehr Kraft. Plötzlich schießt es nach oben und quietscht dabei stark. Abgesehen von dem winterlichen Lufthauch von vorn, merke ich die Pistole an meinem Hinterkopf. „Das würde ich an deiner Stelle nicht tun“ höre ich die tiefe Stimme das Co-Piloten hinter mir. „Dreh dich langsam um, Hände nach vorn.“ Ich bewege mich langsam, stoße dabei zufällig die Karaffe mit dem Badezusatz um. Sie zerschellt auf dem Boden und ich halte die Luft an. „Keine Faxen“, warnt der Mann mich. Abwartend schaue ich ihn an. Seine Augen weiten sich. „Was hast du getan?“ nuschelt er noch, bevor er bewusstlos wird. Ich greife nach ihm, bevor sein Kopf auf dem Boden aufschlägt und bette sein Kopf auf den Badevorleger. „Die Karaffen im Bad eignen sich hervorragend für schlaffördernde Substanzen.“ raue ich ihm zu.

Dann gilt es keine Zeit zu verlieren. Ich schnappe mir meinen Trolley und verlasse das Hotel.

Jetzt stehe ich in der Drogerie und schwanke zwischen Ebenholzschwarz und Karamellbraun.
2.1.19 22:12


 [eine Seite weiter] s



Verantwortlich für die Inhalte ist der Autor. Dein kostenloses Blog bei myblog.de! Datenschutzerklärung
Werbung