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Schönheit

Vogelgezwitscher weckt mich. Dazwischen kommt ein gedrungener Ruf. Ein klägliches „tschierppp“. Es ist ein Vogel, aber ich kann nicht zuordnen welcher. Ich richte mich etwas in meinem Bett auf, so dass ich aus dem Fenster den Waldrand sehen kann. Es hängt noch der morgendliche Tau in den Gräsern und sie schimmern in der aufgehenden Sonne.

In den Kronen hocken sie. Dicke, schwarze Amseln, die den Tag mit ihrem Gesang begrüßen. Sie klingen zufrieden, frohen Mutes heute den ein oder anderen Wurm zur Strecke zu bringen.

Meine Augen wandern weiter. Woher kommt das störende Geräusch? Welcher Vogel hat da nicht singen gelernt und stört das Frühlingskonzert der Anderen?

Es hat fast etwas lustiges, denn bei jeder Gesangspause der Amseln meldet sich der Unruhestifter und bringt sein „tschierppp“ ein. Nach einer kurzen Gedenkpause - vielleicht auch, um sich zu distanzieren, starten die Amseln erneut.

Wieder suche ich mit meinen Augen nach dem Verursacher des Geräusches. Ich sehe etwas rotes zwischen den grünen Ästen hindurch schimmern. Ein roter Vögel zu dieser Jahreszeit in dieser Gegend? Schnell schlüpfe ich in meine Schuhe, um mir den Urheber aus der Nähe anzusehen. Vielleicht ist es ein entwischter Wellensittich?

Ich laufe mit meinem Pyjama bekleidet mit den Hausschuhen über die nasse Wiese. Ich habe mein Unterfangen wohl nicht zu Ende gedacht, da innerhalb kürzester Zeit meine Füße durchnässt sind. Am Waldrand angekommen, lasse ich meinen Blick wieder suchend durch das Geäst der Bäume wandern. Wieder sehe ich ein Funken rot durch das dichte Blattgrün leuchten. Um besser sehen zu können, drehe ich mich etwas seitwärts, um durch die Blätter spähen zu können. Dann kann ich es erkennen und mir stockt der Atem.

Auf einem dicken Ast sitzt ein Vogel mit einem rot gold schimmernden Brustkorb. Sein Körper ist mit langen seidigen Federn ausgestattet dass wie Perlmutt in allen Farbfacetten strahlt. So ein Vogel habe ich noch nie gesehen.

Auch der Vogel hat mich mittlerweile erblickt und den Kopf schräg gelegt, als würde er mich seinerseits mustern. Ich versuche ihn zu mir locken, indem ich ähnlich krächzende Geräusche mache, wie die, die ich gehört habe. In Gedanken suche ich schon nach einem Namen für diesen Paradiesvogel.

Der Phoenix kommt langsam näher und hüpft von Ast zu Ast. Dabei wippen seine langen Schwanzfedern und schimmern in allen Regenbogenfarben. Dabei behält er mich im Auge genauso wie ich ihn. Ich bin ganz bezaubernd von seinem Anblick. Als er fast auf einem Ast in Augenhöhe ist, strecke ich zaghaft die Hand aus um sein Gefieder zu berühren. Bevor es dazu kommen kann, hackt er blitzschnell auf meine Hand. Ich schreie erschreckt auf und taumele rückwärts. Meine verletzte Hand ziert ein dünner roter Kratzer. „Was hab ich dir getan?“ rufe ich erbost, „dass du mir weh tun musst?“. Der Phoenix blinzelt und richtet sein Federkleid. Dann antwortet er in einer nasalen Stimme: „Du wolltest mich anfassen.“
Ich verdrehe die Augen. „Daran ist doch nichts verwerfliches, du bist wunderschön und ich wollte dich berühren.“ erkläre ich ihm. Doch mein Kompliment beeindruckt ihn wenig. „Schönheit ist vergänglich“ stößt er nur traurig hervor und wendet sich ab. In dem Moment wittere ich meine Chance und will ihn erneut berühren. Sein Gefieder sieht so zauberhaft aus. Wie es sich wohl anfühlen mag?

In dem Moment wo ich ihn berühre zerfällt er zu Staub und verteilt sich unter dem Baum. Irritiert starre ich noch auf meine ausgestreckte Hand. Wie ist das möglich? Betreten gehe ich zwei Schritte rückwärts, um nicht in die Asche zu treten. Ich wollte ihm doch nichts Böses tun, geschweige denn sein Leben beenden. Das habe ich nicht gewollt. Verzweifelt fange ich an zu weinen und setze mich neben die Asche. Der Baum ist jetzt ein Grab. Auch die Amseln sind jetzt verstummt. Es ist ruhig und man hört nur meine unregelmäßigen Schluchzer. Ich wiege mich hin und her und frage mich, wie das passieren konnte. Wie konnte ich erst so etwas Schönes sehen, um es dann wieder sofort zu verlieren?

Plötzlich lässt eine Windböe die Asche neben mir aufwirbeln. Mir war gar nicht bewusst gewesen, dass das Wetter sich geändert hat. Es ist windig geworden. Ich schaue mich um und merke, dass es nur die Asche ist, die sich durch den Wind bewegt. Alles andere ist ruhig. Gebannt beobachte ich das Schauspiel und sehe wie die Asche immer schneller und schneller durch das Gras wirbelt. Plötzlich werde ich durch ein Licht geblendet. Als ich die Augen wieder öffne sitzt der Phoenix neben mir im Gras.
„Gott, sei dank du bist wieder da.“ stoße ich erleichtert aus.

Der Phoenix erhebt sich in die Lüfte und setzt sich in den Baum. Dann beginnt er zu singen. Es ist nicht vergleichbar mit dem Krächzen zuvor. Er singt so lieblich als hätte er nie irgendetwas anderes getan.
Ich lächele. Aus dem Augenwinkel sehe ich etwas rotes und blicke neben mich. Dort wo der Phoenix wieder geboren wurde liegt eine einzelne rot schimmernde Schwanzfeder. Ich nehme sie an mich und lausche glücklich dem Lied des Phönix.
5.4.19 11:28
 
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